Schulungen für Verwender von PU-Produkten

Auszug aus den Schulungsangeboten im Bereich Beschichtungen

Die Europäische Union hat im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) die Regeln beim Umgang mit Produkten, die Diisocyanate enthalten, ausgeweitet. Unter anderem müssen Handwerk und Industrie bis zum 24. August 2023 alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen, die mit Polyurethan arbeiten. Der einfachste Weg zur Umsetzung dieser Schulungspflicht führt über eine Schulungsplattform der europäischen Chemieindustrie.

Klebstoffe, Schäume, Lacke, Harze, Beschichtungs- und Dichtstoffe – im Modell-, Formen- und Werkzeugbau spielen auch sie eine Rolle. Doch häufig enthalten solche Stoffe Isocyanate oder Diisocyanate. Diese Chemikalien sind Grundbausteine für Polyurethan (PU). In der noch nicht ausgehärteten Form gelten sie als krebsverdächtig und gesundheitsbelastend. Wenn sie unsachgemäß angewendet werden, können sie zu Atemwegs- und Hauterkrankungen führen. Die Europäische Kommission hat deswegen 2020 in einem gesonderten Beschluss zur Chemikalienverordnung REACH festgelegt, dass Diisocyanate künftig nur noch nach entsprechender Schulung verwendet werden dürfen. Genauer gesagt, gelten diese neuen Restriktionen für alle Produkte mit einer Diisocyanatkonzentration über 0,1 Prozent. Welche Produkte das im Einzelnen sind, ist leicht zu erkennen. Denn seit Februar sind die Hersteller verpflichtet, diese auf der Verpackung mit folgendem Hinweis zu kennzeichnen: „Ab dem 24. August 2023 ist vor der industriellen oder gewerblichen Verwendung eine angemessene Schulung erforderlich.“

Website zur sicheren Verwendung von Diisocyanaten
Verantwortlich dafür, dass geeignete Schulungen angeboten werden, sind die Hersteller und Lieferanten. Seit einigen Monaten stellen die europäischen Herstellerverbände dazu unter www.safeusediisocyanates.eu ein Schulungsportal zur Verfügung. Die einzelnen Hersteller verzichten weitestgehend auf eigene Schulungen und verweisen auf dieses gemeinsame Angebot. Der erforderliche Schulungsumfang richtet sich in drei Abstufungen nach der Gefährdungsstufe. Im Modell-, Formen- und Werkzeugbau sind nur die Stufen 1 und 2 relevant:

  1. Liegt nur eine geringe Gefährdung durch Einatmen vor, reicht die Basisschulung. Das gilt zum Beispiel für PU-Klebstoffe oder Montageschäume.
  2. Eine erhöhte Gefährdung besteht, wenn mit offenen Gemischen bei Raumtemperatur hantiert, wird. Dies erfordert erweiterte Schulungsinhalte. Betroffen sind vor allem Oberflächenarbeiten.

Auf der Schulungsplattform kann man unter den Trainings je nach Anwendung auswählen. Die richtige Zuordnung ist allerdings mühsam, weil es auch eine Reihe von Doppelungen gibt. Unsere Tabelle hilft Ihnen bei einer plausiblen Auswahl.

Selbstlernprogramme mit Abschlussfragen
Treffen für Mitarbeiter verschiedene Isocyanat-Anwendungen zu, reicht in der Regel die Teilnahme an einer einzigen Schulung. Wer also z. B. an einer Level 2-Schulung zu Oberflächenarbeiten teilnimmt, muss nicht zusätzlich eine Level 1-Schulung zu Klebstoffen und Dichtungsmittel belegen (andersherum ersetzt eine Level 1-Schulung aber keine Level 2-Schulung). Alle Trainings vermitteln allgemeine Hintergrundinformationen und spezifische Anwendungshinweise. Zum Abschluss müssen Nutzer einige Fragen im Multiple-Choice-Verfahren beantworten. Wurden genügend Fragen richtig beantwortet, erhält man sofort online ein Zertifikat, mit dem die erfolgreiche Kursteilnahme nachgewiesen wird. Die Schulungen müssen alle fünf Jahre wiederholt werden. Arbeitgeber sind verpflichtet, dies zu dokumentieren.
Die Schulungen kosten fünf Euro pro Person, unabhängig von Inhalten oder Level. Insbesondere die Schaumstoffhersteller bieten ihren Kunden allerdings auch eine kostenfreie Teilnahme an. Sie stellen dazu Gutscheincodes zur Verfügung, die man bei der Anmeldung auf dem Schulungsportal verwenden kann. Handwerksbetriebe sollten ihre Dichtstoff- und Klebstofflieferanten darauf ansprechen bzw. auf deren Websites schauen. Aus der Beschichtungsstoff-Branche ist Vergleichbares bisher nicht bekannt. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass die Hersteller darauf setzen, die Isocyanat-Gehalte so weit zu senken, dass sie nicht in den Geltungsbereich der Beschränkung fallen.

Tabelle: Anwenderschulungen auf der Website „Safe Use of Diisocyanates“

AnwendungsfallNr.SchulungsmodulDauer
Einkomponentige PU-Schäume, Fugendichtstoffe, PU-Klebstoffe, PU-Harze (Härter)048Anwendung von Polyurethanprodukten im Bausektor – Klebstoffe, Dichtstoffe und Schaumstoffe, die direkt aus kleinen Verpackungen bei Umgebungstemperatur aufgetragen werden40 Minuten
Sprühbeschichtung in einer belüfteten Kabine003Sprühen in einer belüfteten Kabine, Handhabung offener Mischungen, Reinigung und Abfall60 Minuten
Sprühbeschichtung außerhalb einer belüfteten Kabine011Sprühen außerhalb einer belüfteten Kabine, Handhabung offener Gemische, Reinigung und Abfall80 Minuten
(Wegen fortlaufender Änderungen alle Angaben ohne Gewähr)